LAN-Party mit Hindernissen


Es gibt sie noch, die guten alten LAN-Partys! Naja, ‚Party‘ ist vielleicht bei zwei Leuten etwas übertrieben und LAN war‘s auch nicht, wie sich herausgestellt hat, aber wenn ich mich mit einem Freund am Feiertag zum Zocken treffe, hat das trotzdem so ein bisschen den Ruch der Keller-LAN von früher.

Mittlerweile sitzt man zwar im hellen und gut gelüfteten Wohnzimmer und nicht beim Schulkameraden im Hobby-Keller. Der Mitspieler reist auch mit dem eigenen Auto an, und muss nicht mehr die Eltern anrufen, damit die ihn samt lächerlich schweren 19-Zoll-Röhrenmonitor wieder abholen. Aber am grundsätzlichen Prinzip hat sich trotzdem wenig geändert.

Knabberzeugs für Wartezeiten

Aber von Anfang an: Gibt‘s einen besseren Weg als die Koop-Kampagne von Battlefield 3, um sich an einem Feiertag zu beschäftigen? Mit Sicherheit, aber das soll hier nicht das Thema sein.
Da wir beide nicht im Besitz von powertriefenden Spielerechnern sind, haben wir uns für die PlayStation-3-Version entschieden. Ist ja auch viel einfacher, haben wir uns gedacht, kein Rumfummeln in den Netzwerkeinstellungen, keine ständigen Windows-Neustarts und auch nicht die permanente Frage »Siehst du mich jetzt?«. Der Gedanke, sich nicht mit Origin und Nvidia-Beta-Treibern rumzuärgern, ist darüber hinaus ja auch ganz nett. Mein Mitspieler muss sich dafür zwar extra die Konsole kaufen, wollte das aber eigentlich schon immer machen, und Battlefield erscheint wie ein angemessener Anlass.

Der Freund packt also seine brandneue PlayStation 3 aus und stöpselt das Kabel in den Router. Da ploppt schon der Warnhinweis auf, dass erstmal mehrere Hundert Megabyte Firmware-Update geladen werden müssen, bevor überhaupt was geht. Wegen 20 Minuten Downloadwartezeit bricht noch keine Panik aus – ein willkommener Anlass, nochmals Kaffee aufzusetzen und die Schüsselchen mit Knabberzeugs nachzufüllen.
Mit frischem Kaffee-Duft in der Nase erleben wir prompt den nächsten Warnhinweis: Battlefield 3 weigert sich, ohne den aktuellen Patch zu starten – wieder eine Viertelstunde Wartezeit. Soviel Snacks essen wir dann doch nicht, als dass sich das Nachfüllen schon wieder lohnen würden.

Auch bei der Hardware läuft nicht alles rund: Die Akkus der neuen Controller sind selbstredend nicht vorgeladen und das Kabel reicht nicht bis aufs Sofa. Da kann ich aber zum Glück mit meinem Controller aushelfen, der dann auch nach einigen An- und Ausstöpselaktionen sowie Neustarts doch missmutig vom Sofa zur anderen Konsole funkt.

Ach, wir wollen nur deine Mailadresse

Irgendwann läuft dann auch Battlefield 3, der Koop geht aber immer noch nicht. LAN is‘ nich‘! Wir müssen übers Internet spielen, obwohl die Konsolen so nah beieinander stehen, dass eine Bluetooth-Verbindung reichen würde. Mein Mitspieler braucht zwingend einen PSN-Account. Wir stellen fest, dass es gar nicht so leicht ist, einen Benutzernamen zu finden, der nicht schon vergeben ist oder gegen die Sony-Richtlinien verstößt. Es sei denn, man wählt »Hj1lk9a45sl3kdf«, das kann sich aber kein Mensch merken.
Nach PSN-Anmeldung verlangt jetzt Battlefield 3 das Anlegen eines EA-Kontos. Wozu man das braucht oder was es bringt, wird gar nicht erst erklärt. Nur dass es ohne nicht geht, macht das kleine Fenster klar. Die »Ach, wir wollen nur deine Mailadresse«-Haltung wird also gar nicht erst durch Quatsch-Blasen wie ‚verbesserte Onlineerfahrung‘ oder ‚einzigartige Community-Features‘ euphemesiert.

Nach geschätzten eineinhalb Stunden verfügen wir über ein PSN- und ein EA-Konto – gespielt haben wir noch keine Sekunde. Auch jetzt nicht, denn nun brauchen wir einen Multiplayer-Pass. Den Hinweis, dass wir den Mehrspieler gar nicht spielen wollen, sondern nur den Koop, lässt das gestrenge Spiel nicht gelten. Also suchen wir in der Hülle des Spiels nach einem Battlecode, der uns den verheißungsvollen Zugang zum gelobten Koop-Land gewährt.

Schlussendlich hat‘s dann doch geklappt mit dem Spielen (siehe Bild). Die Anschalten-Loslegen-Zeiten sind aber auch bei Konsolen vorbei. Ich bin mir aber sicher, dass es trotz der Startschwierigkeiten immer noch leichter war als zur Keller-LAN-Zeit damals. Außerdem hat mein Mitspieler jetzt viele schöne »Vielen Dank, dass Sie sich bei unserem Service registriert haben«-Mails.

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