Jesse’s got a gun

Die akkurate Darstellung von Videospielern in Film und TV ist ja bekanntlich so eine Sache. In der Regel hat sie nichts damit zu tun, wie es in Wirklichkeit aussieht, wenn man spielt. Ich weiß nicht, ob es die Schauspieler, Regisseure oder Drehbuchautoren sind, die meinen, dass man beim Spielen völlig ausgeflippt auf dem Sofa rumhüpft und dabei in aberwitzigem Tempo so viele Controllerknöpfe wie möglich drückt. Die Liste an solchen Fremdschäm-Momenten ist lang.

Neuzugang in dieser unrühmlichen Liste ist die Serie Breaking Bad, die in der vierten Staffel Jesse Pinkman zeigt, wie er Rage spielt.* Er steht dabei vor dem Fernseher und schießt mit einer Plastikpistole auf den selbigen – mit dem echten Rage hat das herzlich wenig zu tun. Ich weiß nicht, wer Jesse für die Szene eine Plastikpistole in die Hand gedrückt hat. Mag sein, dass sich die Autoren der Serie gedacht haben, Jesses psychische Belastung würde im Hinblick auf das, was er vorher getan hat und er jetzt so zu verarbeiten versucht, glaubwürdiger und beklemmender wirken. Eine Erklärung, die mir durchaus einleuchtet: Wer lässig mit dem Gamepad auf dem Sofa fläzt, wirkt in der Tat weniger seelisch geplagt und beklemmend.

Ich frage mich allerdings, was sich die PR-Abteilung von id Software von diesem Auftritt verspricht. Weil der Schriftzug ,Rage‘ in Originalschrift mehrfach prominent zu lesen ist, handelt es sich eindeutig um Product Placement. Es stellt sich für mich die Frage, wen diese Form der Platzierung in Breaking Bad ansprechen soll.

Ich kannte den Shooter schon vorher und finde die Szene recht albern, weil ich weiß, das sie mit dem realen Titel kaum was zu tun hat.
Vielleicht bin ich ja aber auch nicht die Zielgruppe für dieses Product Placement und id will Zuschauer erreichen, die Rage nicht kennen. Die gehen dann in den Laden und verlangen das Spiel, in dem man mit der Pistole auf den Monitor schießen kann. Daraufhin wird der Verkäufer entweder mit den Achseln zucken oder zu Sonys buntem Kugelcontroller Move greifen. Damit funktioniert Rage dann aber gar nicht, das kann folglich nicht das Ziel von id Software sein.
Vielleicht sind aber auch diese Leute nicht das avisierte Zielpublikum für dieses Product Placement, sondern Serienfans, die gar nicht spielen. Die denken sich dann aber: »Ach, das ist ja dieses Spiel, das der verrückte Psychopath in Breaking Bad gespielt hat.« Auch nicht gerade die beste Werbung.
Überhaupt ist ein mordender Drogendealer vielleicht grundsätzlich nicht der passendste Werbeträger, den man als Unternehmen mit seinem Produkt in Verbindung sehen möchte. Eine Kampagne wie »Hannibal Lecter trinkt Idee-Kaffee, den Bekömmlichen« gibt‘s ja aus gutem Grund nicht.

Ich bezweifle stark, dass der Breaking-Bad-Aufritt irgendeinen positiven Effekt für Rage hatte. Aber irgendwas muss sich die PR-Abteilung von id doch dabei gedacht haben. Normalerweise sind aber gerade die PR-Teams in höchstem Maße darauf bedacht, dass ihre Spiele vor der Veröffentlichung keinesfalls falsch oder in schlechtem Licht dargestellt werden – beides trifft ironischerweise auf die Szene in Breaking Bad zu. Vielleicht sollten die Rage-Macher den Spruch »Es gibt keine negative Publicity« nicht ganz so wörtlich nehmen.

* Hier das Video auf YouTube

 

 

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3 Responses to Jesse’s got a gun

  1. Petra says:

    Die Dinger, bei denen man mit Plastikpistole auf den Monitor schießt, nennen sich übrigens im Fachjargon „Rail Shooter“ bzw. „Lightgun Shooter“.

    • weltraumer says:

      »Yeah, ruin this perfect story with your ‚research‘.« (Adam Lang in The Ghost Writer) 😉

  2. Petra says:

    Hihi! Ich kann ja nix dafür, dass ich sowas schon uffem Dreamcast gespielt habe.