Never judge a book by its cover!

Der Gedanke des Filmverleihs beim Entwerfen des Plakats für »All American Orgy« war ganz offensichtlich, den Zuschauer an Highschool-Kömodien im Stile von »American Pie« zu erinnern. Also hat man den Praktikanten mal schnell mit Photoshop ein Bild basteln lassen, damit dem gemeinen Videotheken-Besucher sofort das Wort »Tennie-Sex-Komödie« mit dem nackten Arsch ins Gesicht springt. Die meisten Zuschauer (mich eingeschlossen) würden den Film daher nicht anschauen.

Schade, denn so entginge einem ein witziger, sehenswerter Independent-Film, der so ganz anders ist, als des Cover es suggerieren mag. Die dralle Dame in der roten Unterwäsche beispielsweise hat der Praktikant aus irgendeinem Bilder-Stock geholt, denn die kommt gar nicht im Film vor.

Die Handlung von »All American Orgy« ist schnell erzählt: Drei befreundete Pärchen treffen sich in einem ablegenden Landhaus, um dort eine Orgie zu feiern. Von da an entwickelt sich ein Kammerspiel, das ganz anders läuft, als alle Beteiligten und der Zuschauer es erwarten. Die Macher nehmen zwar kein Blatt vor den Mund, trotzdem ist der Humor nie schlüpfrig. Statt Titten-Sperma-Witzen gibt es viel Situationskomik und brüllend komische Dialoge.

Allein die Auftaktszene, als eines der Pärchen im Supermarkt darüber diskutiert, welchen Wein man wohl üblicherweise zu Sexparties mitbringt (»Was passt denn am besten zu Penis?«; »Naja, das ist weißes Fleisch – wohl ein Wein, der zu Hühnchen passt.«), zeigt, dass Drehbuchautor und Regisseur ein Faible für absurde Dialoge haben.

»All American Orgy« schlägt bei aller Heiterkeit aber auch ganz nachdenkliche Töne an, die – wie ein User auf IMDB ganz richtig schreibt – auch die »Überpornoisierung« einer Gesellschaft thematisieren. Wie im Verlauf klar wird, hat jeder der Gäste der Teilnahme aus einem ganz anderen Grund zugestimmt. Entsprechend unterschiedlich auch die Reaktionen, als die Orgie so richtig starten soll. Die Geschichte und die Charaktere bleiben, trotz des absurden Szenarios, stets in sich glaubwürdig und nachvollziehbar.

Ich hoffe, man hat den Designer des Filmplakats gebührend bestraft und kann nur empfehlen, dem Film eine Chance zu geben.

PS: Achja, der Hauptdarsteller unten rechts auf dem Cover ist übrigens nicht Matthias Opdenhövel.

 

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