Jäger des verlorenen iPads

Da habe ich mich (obwohl eigentlich attestierter Apple-Fanboy) auch mal dazu durchgerungen, mir ein iPad zuzulegen. Eigentlich dachte ich, der schwierigste Teil läge damit hinter mir. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es tatsächlich unmöglich sein würde, einen dieser »Wunderflunder« (SPIEGEL) tatsächlich zu kaufen.

Über einen Monat nach Erscheinen müssten ja die (wie sie in der BWL heißen) »Early Adopter« versorgt sein, sodass die Geräte palettenweise im Apple Store rumstehen. Als ich aber den Mitarbeiter mit dem quietsch-türkisen T-Shirt und der Ray-Ban-Brille nach einem iPad 2 frage, schüttelt der mit einer Mischung aus Amüsement und Unverständnis den Kopf. Er sagt es zwar nicht, denkt sich aber wohl: »Ja, liest du denn gar nichts im Internet? Die Dinger sind so rar und begehrt wir Karten für‘s Champions-League-Finale!« »Und genauso teuer«, füge ich in Gedanken seinen Gedanken hinzu.
Instinktiv zieht der Verkäufer sein iPad, das er in der Hand hält, näher an seinen Körper und hält es ein bisschen fester. Fast so, als hätte er Angst, ich würde es ihm entreißen und damit aus dem Laden rennen.

Ich hätte den Verkäufer genauso fragen können, ob sie wohl noch ein paar von diesen Apple Lisas auf Läger hätten, von denen man in letzter Zeit soviel hört. Amüsement und Unverständnis wären das gleiche gewesen. Dass sich die gleiche Situation im Gravis-Store die Straße runter noch einmal wiederholte, brauche ich ja nicht zu erwähnen.

Es ist faszinierend, wie es Apple schafft, aus einer Situation, die anderen Herstellern Spot und Kritik einbringen können, noch einen Vorteil zu ziehen. Als Sony zum Launch der PlayStation 2 mit ähnlichen Probleme zu kämpfen hatte, waren schnell Vorwürfe wie schlechte Nachfrageplanung und mangelhafte Logistik in aller Munde. Bei Apple hingegen lese ich allerorten vom Rekordstart und der riesigen Nachfrage.

Die schlechte Versorgung zu Beginn ist zum Teil der extremem Geheimhaltung von Apple geschuldet. Da man ein Produkt fast bis zum Launch geheim halten will, fängt die Produktion nicht schon ein halbes Jahr vorher an. Das würde die Gefahr, dass doch Infos durchsickern, signifikant erhöhen.

Außerdem gehört es einfach zum Apple-System, denn so schafft die Firma eine Aura des Exklusiven um ihre Produkte. Obwohl inzwischen längst auch Lieschen Müller mit ihrem »Wunderflunder« Musik bei iTunes kauft, fühlt sich jeder Apple-User immer noch wie ein Teil eines erlesenen Kreises.

Ich nehme mich da gar nicht aus. Wenn ich das inzwischen online bestellte iPad auspacke, werde auch ich mich fühlen wie der Jäger eines verlorenen Schatzes.

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One Response to Jäger des verlorenen iPads

  1. avatar Petra says:

    Bei der Indy-iPad-Montage ist dir wohl dein (offensichtlich völlig intaktes und von Apple noch nicht unterwandertes) Unterbewusstsein in die Parade gefahren. Du hast den Sandsack durch’s iPad ersetzt. Den Sandsack! Haha! Herrlich!

    Undentschuldigensebitte, ich kann (berufsbedingt) nicht anders: Es ist noch immer DIE Flunder, Herr Raumer.