Sonys Doppelausfall

Sie ist bei den meisten Konzernen üblich, aber in japanischen Unternehmen scheint eine schlechte Informationskultur nach außen besonders ausgeprägt. Gibt‘s ein Problem, sagt man erstmal gar nichts. Wird es so groß, dass man es nicht mehr vertuschen kann, dann sagt man Sachen wie »Das Problem ist bekannt, wir haben alles im Griff, kein Grund zur Sorge!«

Wartungsarbeiten?

So zumindest ist es gerade bei Sony, deren PlayStation Network seit nun fast einer Woche komplett am Boden liegt – angeblich wegen Wartungsarbeiten. So lange und über die Osterfeiertage? Wer das glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen.

Es gibt im Netz zwei Theorien für den Ausfall. Ein Angriff der Anonymous-Gruppe. Mit denen liegt Sony sowieso gerade im Clinch wegen des Firmware-Hacks der PlayStation 3. Die Gruppe streitet aber jede Schuld ab.
Zweite Vermutung ist daher, dass man mit gehackten Konsolen vollkommen kostenlos im Store einkaufen konnte. Daher fuhr Sony das PSN runter, um diese Lücke zu stopfen.

In beiden Fällen sind die Japaner also zunächst nicht schuld.

Der Ausfall kommt aber zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erstens sind Oster- und Schulferien. Viele wollten die freien Tage auch zum Spielen nutzen. Zweitens wollte man zusammen mit Valve und Portal 2 beweisen, dass plattformübergreifendes Spielen doch möglich ist und das PSN in Verbindung mit Steam der beste Ort dafür. Beides ging gehörig in die Hose.

Wir arbeiten dran!

Versteht mich nicht falsch: Der PSN-Ausfall ist ärgerlich, aber nicht der Anlass meiner Kritik. Wer ein Riesenfass aufmacht, weil er mal ein paar Tage nicht online zocken kann, der sollte sich mal Gedanken über sein Leben machen. Was mich viel mehr stört, ist die mangelhafte Informationspolitik von Sony. Erst wurde gar nichts gesagt, dann kurz über Twitter ein Problem vermeldet. Erst als die kritischen Stimmen lauter wurden, fabulierte der offiziellen PlayStation-Blog etwas von einem »externen Angriff«. Außer »Wir arbeiten dran« gibt‘s von offizieller Seite immer noch keine Infos. Wer Genaueres wissen will, muss sich Infos mühsam im Netz zusammensuchen.

Warum sagt man uns nicht offen, woran‘s liegt und bis wann das Problem gelöst wird? Von der Häme der PlayStation- und Konsolenhasser (die es auch so gibt) mal abgesehen, würde sich Sony doch damit deutlich mehr Freunde machen. Viele Spieler würden wie ich Verständnis zeigen. Eine knappe Erklärung und ein 5€-PSN-Gutschein, und schon würde Sony nicht mit einem Imageschaden, sondern mit guten Ruf und jede Menge zufriedener Kunden aus der Geschichte kommen.
Außerdem könnte Sony gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Sympathie für die Hacker würde innerhalb der PSN-Community wohl schlagartig zusammenschmelzen.

Worum behandelt uns Sony aber wie kleine Kinder, denen man nicht allzu viel Wahrheit zumuten könnte? Mit Offenheit und Ehrlichkeit würde sie aus meiner Sicht langfristig besser fahren.

UPDATE (27.04.): Inzwischen hat Sony den Grund bekannt gegeben: Die Kundendaten aller PSN-Accounts wurden von Hackern erbeutet. Das macht meine Kritik noch berechtigter. Man hat eine ganze Woche gewartet, bevor man es für nötig hielt, uns Kunden mitzuteilen, dass unsere Kreditkartendaten gestohlen wurden!

 

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