Bloß keine ANNOvation!


»Anno 2070 ist kein echtes Anno!«, »Anno muss im Mittelalter spielen.«, »Das wird das Ende einer tollen Serie!« oder »Wieder eine tolle Reihe, die kaputt gemacht wird.« Kommentare mit diesem Tenor gab es nach der Ankündigung auf GameStar.de, aber auch im Ubisoft-Forum zu lesen. Der Korrektheit halber muss ich sagen, dass es auch ein große Anzahl an Spielern gab, die das neue Zukunftsszenario ausdrücklich begrüßten. Trotzdem habe ich mich gewundert, wie eine kurze Pressemeldung und vier Screenshots es schaffen, dass in Foren gleich der Teufel an die Wand gemalt wird.

Anno = Vergangenheit?

Wo steht denn, dass Anno nur in der Vergangenheit funktioniert kann? Ganz zu schweigen davon, dass faktisch eigentlich nur zwei der vier Teile tatsächlich im Mittelalter spielen: 1603 und 1701 sind schon Renaissance, aber das ist Haarspalterei, darum geht’s mir auch gar nicht.

Wir Spieler sind schon ein lustiges Völkchen: Beim jährlichen Call-of-Duty-Update brüllen wir lautstark Innovationsarmut, zücken aber doch (fast) alle den Geldbeutel. Probiert ein Studio hingegen mal, einer Serie frischen Wind einzuhauchen, gibt’s auch Geschrei!

Ich persönlich halte das Zukunftsszenario für den einzig richtigen Schritt für die Serie. 1404 war ein Glanzstück, viel mehr Höchstwertungen, Preise und Awards kann man ja gar nicht abräumen. Eine weiteres Mittelalter-Anno hätte den Erfolg lediglich egalisieren können, eine Sensation wär’s nicht gewesen. Ein bißchen so wie Lena, die wieder beim Grand Prix antritt und eigentlich nur verlieren kann: Selbst wenn sie dieses Jahr wieder gewänne, wäre es gefühlt nicht mehr der gleiche Erfolg wie ihm Vorjahr.

Blizzard und das Starcraft-Süppchen

In der Spielebranche ist es größtenteils Usus geworden, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Bei Millionenbudgets sinkt der Mut zum Risiko. Umso höher ist es Ubisoft und Related Designs anzurechnen, dass sie diesen mutigen Schritt wagen. Das ist mir persönlich lieber, als beispielsweise Blizzard, die einfach ihr Starcraft-Süppchen nochmal aufwärmen – und das als Revolution verkaufen wollen.

Ich habe natürlich einen kleinen Vorteil, weil ich Anno 2070 schon bei den Entwicklern vor Ort gesehen habe. (An dieser Stelle ein wenig Werbung für die kommende GameStar-Ausgabe mit großer Anno-Preview inklusive Interview mit dem Produzenten.) Ich habe also schon ein paar von den Ideen gesehen, die die Entwickler für Anno 2070 haben. Nichtsdestotrotz kann ich die Leute nicht verstehen, die es von vornherein abschreiben. Natürlich ist’s noch zu früh, um zu sagen, ob Anno 2070 wieder ein herausragendes Spiel wird, aber zumindest eine faire Chance hat es doch verdient. Schon allein für den Mut der Entwickler. Wer den nicht würdigt, darf im Gegenzug auch nicht über Call of Duty 15: Modern Warfare 7 meckern!

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4 Responses to Bloß keine ANNOvation!

  1. avatar Hauke says:

    Auf meinem Iphone sieht dein Blog irgendwie kaputt aus.

    • avatar weltraumer says:

      Inwiefern? Auf meinem iPhone sieht’s ganz normal aus. Oder meinst du mit »kaputt« eigentlich »hässlich«? Denn dann hast du nicht ganz unrecht. 😉 Ich bastle noch am Design.

  2. avatar Petra says:

    Ach, ich finde, das geht sowieso alles hübscher. Die Farben, die Farbäääääään!

  3. avatar MrLuzifer says:

    Also für mich ist Anno mit dem Zukunft Szenario erst wirklich interessant geworden. Ich kann den Mittelalter (oder Renaissance) Kram nicht ab. Ausser es is mit Steampunk oder Fantasy verbunden. Ähäm.
    Bei Starcraft hingegen bin ich froh, dass es nur ein „Aufguss“ des alten Starcraft mit Neuerungen ist.