Wagners Walkürenritt

BILD-Propagandist Kolumnist Wagner hat erneut zugeschlagen (http://bit.ly/eYJlA4), diesmal wendet er sich an die »Guttenberg-Kritiker«. Hier scheint in den letzen Wochen eine eindeutige Trennlinie durch Deutschland zu verlaufen: Es gibt nur noch Pro- oder Contra-Guttenberg. Das erinnert mich schon fast ein wenig an die Doktrin des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush im Kampf gegen den Terrorismus: »Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.« Guten gegen Böse, Schwarz-Weiß, Grautöne gibt es nicht – zumindest nicht bei BILD.

Der Autor wirft jetzt den (aus seiner Sicht) Bösen vor, warum sie Guttenberg nicht einfach vergeben könnten. Weil es mit einfachem Vergeben eben nicht getan ist, der Verteidigungsminister hat dreist gelogen und tut es noch immer. Man muss nichtmal selber eine Doktorarbeit geschrieben haben, um zu verstehen, dass man einfach nicht versehentlich abschreiben kann. Schon gar nicht in diesem Umfang.

Danach schießt er gegen Grünen-Fraktionschef Trittin, der »wollüstig« über Guttenberg gelacht habe. Natürlich zeugt das nicht gerade von Anstand und Respekt seitens Trittins. Ich aber frage mich, wie sich das CDU/CSU-Lager verhalten würde, wenn die Situation anders herum wäre? Die wären doch die ersten, die auf sogenannten »bürgerliche Werte« wie Ehrlichkeit, Anstand und Strebsamkeit pochen würden. Es wäre die perfekte Vorlage, um die Grünen wieder in den Dunst der 68er-Protestler zu drängen, die ja angeblich von ehrlicher, harter Arbeit sowieso keine Ahnung hätten.

Besonders komisch wirkt der Satz in der Kolumne, Guttenberg »hat zwei Kinder, zwei Mädchen.« Na und? Soll man deswegen beruflich oder politisch mehr Nachsicht mit ihm haben, oder was? Der libysche Diktator Gaddafi ist auch mehrfacher Vater. Hat der deswegen das Recht jetzt Herrscher zu bleiben?

Doch dann folgt das polemische »Highlight« der Kolumne: »Was soll dieser Mann für seine Ehre tun? Sich aus dem Fenster stürzen, sich die Pistole an die Stirn setzen, sich im Schlossturm seines Schlosses aufhängen?« Natürlich nicht! Das hat ja auch nie irgendjemand verlangt. Guttenberg soll aber als Minister zurücktreten und zugeben, dass er eben nicht nur kleine Fehlerchen gemacht, sondern im großen Stil absichtlich getäuscht hat. Natürlich formuliert Wagner das absichtlich so drastisch, damit es so wirkt, als ob die Guttenerberg-Kritiker mit ihren Forderungen jeglichen Bezug zur Realität verloren hätten.

Ich frage mich, warum man diesem Wagner bei BILD eine Bühne für seine plumpe Meinungsmache bietet, denn wirklich gut schreiben kann er ja nicht. Zumindest diese Kolumne hat keine schlüssige Argumentationskette oder Aussage.

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